Durch die liebe Nachbarin Dietlinde, hatten wir die Möglichkeit
uns ihrem Wassergymnastikverein zur Masurenfahrt anzuschließen. Am
21. Mai, sonntags, fuhr Hans, ihr Gatte uns morgens zur Grafschafter Straße
und dort wurden wir um sechs Uhr abgeholt.
Das Wetter war jahreszeitlich bedingt stürmisch
und regnerisch –typisches Seeklima. Aber wir fuhren ja Richtung Osten und
da gibt es ja das lobenswerte Kontinentalklima, welches auf besseres Wetter
hoffen lässt.
Die Mitreisenden waren ein gemischtes Völkchen von
Mittelalt bis nun, noch ein paar Jahre älteren Leutchen. Die Betriebsführung
war bestens organisiert! Zuerst nenne ich die Hauptperson, den Busfahrer,
den, ja man muss das sagen, Klasse - Peter. Dieser junge Mann hatte zu
jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit alles im Griff und wirkte nebenbei
hauptberuflich als Entertainer, der die ganze Besatzung, überwiegend
Damen, zum Singen, Lachen und Jubeln brachte. Wie gesagt: Klasse! Die Reiseleitung
unterstand einer netten Dame, unserer Helga. Auch da kann ich nur
Worte des Lobes finden. Sie hatte die Ruhe weg und war hilfsbereit
und – energisch, wenn es denn einmal notwendig war. Klasse! Ja, und nun
kommt der sogenannte technische Berater, der liebe Dieter! Dass er ein
Bergmann war, merkte ich sofort! So symphatisch und einsatzfreudig
können nur Kumpel sein! Er versorgte uns Tag für Tag mit den
notwendigen Getränken und bei Bedarf auch mit leckerem Essen und hatte
ununterbrochen gute Laune!! Auch das ist selten!
Es war also für unser Wohlbefinden gut gesorgt!
Es wurden regelmäßig Raststätten angefahren
um die notwendige Püschopause, wie unser späterer polnischer
Reiseleiter, die Pinkelpausen nett umschrieb, einzulegen. Die letzte fand
an der Raststätte „Bukowsee“ statt. Es regnete, wie allgemein, und
dort standen zwei klapprige Harleyfahrer bei ihren Motorrädern. Sie
hatten drei Tage in der Nähe von Werden an der Aller bei einem Treff
in ihren kleinen Zelten gehaust, waren durchgefroren und Schach matt auf
dem Weg nach Eberswalde im Oderbruch. Ich wünschte gute Fahrt und
war froh, als ebenfalls Motorradfahrer, im warmen Bus zu sitzen.
Gegen sechzehn Uhr kamen wir nach einem problemlosen
Grenzübergang in Stettin an und logierten für eine Nacht im ORBIS
Hotel Neptun. Wir hatten 730km zurückgelegt. Wir benötigten Sloty,
die landesübliche Währung und begaben uns in ein riesiges Einkaufscenter,
in dem alle Läden geöffnet waren, zu einem Geldautomaten. Dort
kam ich mir zum zweitenmal in meinem achtundsechzigjährigen Leben
wie der Bauer vom Land vor!
Das erstemal war es in der Mittagszeit in Mailand. Dort
setzten sich junge Banker, elegant gekleidet auf ihre BMW, nicht Moto Guzzi,
und hatten als Sozia eine ebenfalls chic gekleidete junge Dame dabei –
und fuhren los. Ob zum Pausieren oder Poussieren, war nicht festzustellen.
Und nun Stettin! Die Damen bestachen nicht nur durch ihre bekannten und
tatsächlichen Reize, nein sie waren gekonnt und bemerkenswert elegant
gekleidet. Auch die jungen Männer waren überwiegend mit Schlips
versehen und würden hier im Westen unseren pennerhaft verkleideten
Jünglingen jede Dame abspenstig machen. Wenn es die Zeit erlaubt hätte,
dort würde ich mich auch noch mit modischer Kleidung eingedeckt haben.
Die war in den Geschäften preiswert zu haben!
Wir kamen pünktlich zum Abendessen zurück.
Dieses war ein Büffet mit einer Vielzahl von Leckereien, ich
erwähne nur die leckeren Fische und das Schweinerückensteak!
Da konnte man süchtig werden. Meine Waage hatte ich leider zu Hause
gelassen. Übrigens mundet auch das polnische Bier mit zugehörigem
Luxuswodka! Über dieses Hotel kann ich nur gutes berichten!
Am Montag frühstücken wir um 6,30Uhr.
Das Buffet ist super reichlich bestückt: Säfte, Obstsalat, Melonen,
Wurst, Käse, Tomaten, Gemüse.....dat kann ich nicht alles erwähnen,
aber es war alles in überreichlicher Fülle da!
Um acht Uhr geht es weiter. Die Landschaft bietet endlose
Wälder, Heiden, Seen und der Bus rollt für mich unerwartet, über
gute Straßen mit wenig Verkehr. Es ist ein angenehmes Fahren. Auch
das Wetter spielt mit, blauer Himmel, 19°. Ab und an liegt ein kleines
Dorf am Weg. Aber sonst Natur pur! Das bisher flache Land wird hügelig
und wir fahren an Obst, besonders Kirschplantagen vorbei. Kommt hier die
Weichselkirsche her?
An Bord werden wir von dem technischen Berater Dieter,
wie gestern auch, verwöhnt. Der Klasse - Peter wählt sich unter
den Damen des Busses eine Roswitha und eine Christel aus, die beauftragt
werden stündlich an alle Mitreisenden Bonbons und weitere Süßigkeiten
zu verteilen. Dieter gibt zwischendurch eine Pfirsichlikör oder einen
Korn aus! Wat et all jüt! Wasser, Bier Schorle und Würstchen
oder mittags Suppe (lecker) kann gekauft werden. Wir leiden keine Not –
im Gegenteil. Das ist die wahre Völlerei! Wir fahren über Bromberg,
danach ein Stück Autobahn Richtung Danzig bis Graudenz wobei wir die
Weichsel überquerten. Wir fahren immer wieder an den gelbleuchtenden
Rapsfeldern vorbei und die Wälder und Seen nehmen kein Ende! Mittlerweile
haben wir eine Temperatur von 23° - oh wenn das Wetter ewig so bliebe!
Nun geht es über Allenstein, noch 200km bis Nicoleiken. Die Gegend
wirkt menschenleer! Die Straßen werden schmaler und schlechter
– aber neue sind im Bau! Wir landen jedoch nicht wie vorgesehen in Nicoleiken
sondern um 19 Uhr in Mrogowo – Sensburg im Hotel Mercure! Das war kein
schlechter Tausch! Die Zimmer sind gut und ein tolles Schwimmbad
ist auch vorhanden.
Das Abendessen, ein Buffet in beschriebener bester Form:
Fisch, Fleisch, Kuchen und was soll ich das aufzählen, es war eben
da in leckerster Zubereitung und überschwänglicher Menge! Lobenswertes
über das Essen zu sagen erübrigt sich! Es war toll! Erika sagte,
dass sie diese Köstlichkeiten nicht alle schildern kann! Es wurde
nicht spät, wir waren Asche!
Am nächsten Tag stellt sich unser polnischer Reiseleiter,
der nette „Cäsar“ vor, er ist ein lustiger Bursche, der uns oft zum
Lachen und Singen bringt. Ein Ohrwurm wird das von ihm kredenzte Lied:
Oh Marianno! So muss es sein!
Die erste Station ist „Heilige Linde“ Dort gibt
es eine wunderschöne Wallfahrtskirche und es gab ein zehnminütiges
Orgelkonzert, wobei sich während des Spiels Figuren an dem Prospekt
bewegten. Imponiert hat mir der eine kurze Predigt haltende Pfarrer, der
mit kräftiger Stimme mit uns den Choral „Großer Gott wir
loben dich“ anstimmte.
Das erinnerte mich an eine Beerdigung vor wenigen Tagen
in Utfort. Dort musste die Pastorin sich nach dem zweiten Lied ein Gesangbuch
reichen lassen, sie kannte den Text nicht – um dann mit piepsiger Stimme
fast alleine das allen Trauergästen ebenfalls unbekannte Lied zu trällern.
Ja, an den höheren Dienst werden heutzutage in der evangelischen Kirche
richtige Anforderungen gestellt!
Die Weiterfahrt ging im strömenden Regen über
Rastenburg zur „Wolfsschanze“ dem Hauptquartier Hitlers.
Es folgte eine eineinhalbstündige inhaltsreiche
Führung. Es wurde bisher nicht Bekanntes mitgeteilt. Sie wurde von
den Kriegsgegnern nicht angegriffen – nur von den unzähligen Mücken,
die auch Hitler sehr zusetzten. Hitler meinte im Scherz, dass sich doch
die Luftwaffe dieser Plagegeister annehmen sollte.
Dabei können diese Biester einem tatsächlich
das Leben verleiden. Mückenschutz ist zu empfehlen!
Wir fahren weiter zu einem Restaurant. Ich bekomme in
einem Steinguttopf köstlichen Eintopf und Erika Piroggen, eine
Art Maultaschen mit Fleisch Füllung und übergossen mit ausgelassenem
Speck. Sie schwärmt jetzt noch davon!
Es geht über Lützen, mit einer evangelischen
Kirche im sonst zu 90% katholischen Polen, zum Hotel. Bemerkenswert ist,
dass in einem Neubaugebiet immer eine Kirche gebaut wird und zwar in bemerkenswert
ansprechender Architektur.
Abends treffen sechs Harleyfahrer ein. Es sind Hessen,
die von Königsberg gekommen sind, hier zwei Tage pausieren und dann
längs der Ostseeküste zurück fahren. An den Maschinen ist
kaum noch etwas Serienmäßiges zu sehen, alles aufgemotzt
und schön. Die Herren bewegen sich natürlich auch in feinsten
Harleyklamotten – chic!
Es traf noch eine Gruppe Schweizer Motorradfahrer ein
– konnte sie leider nicht mehr ansprechen.
Die Sonne scheint wieder. Wir haben 20° und unternehmen
eine Schiffstour auf einem 18km langen See mit Essen an Bord. Abends das
Hallenbad aufgesucht und auf Anweisung unserer unermüdlichen Reiseleiterin
Helga Wassergymnastik betrieben. Bademäntel und Handtücher vom
Hotel kostenlos, wie auch der Eintritt!
Peter besorgt anschließend Getränke und um
24 Uhr wird die nette Roswitha in ihrem Zimmer überrascht. Sie hat
Geburtstag! Es war lustig – und laut!
Die nächste Tour ging durch die sehenswerte „Johannisberger
Heide“ mit Besichtigung eines Klosters der „Altgläubigen“ und des
Forsthauses in dem der Schriftsteller Ernst Wiechert wohnte. Dann wurde
eine Stakenfahrt, in mehreren Booten, wie im Spreewald, auf der „Krudinia“
unternommen. Die Fahrt ging durch urige Wildnis. Toll!
Roswitha verwöhnte uns im Bus mit ununterbrochenen
Runden – sie hatte ja Geburtstag und der wurde gefeiert.
Um 10 Uhr ging es am kommenden Tag zu dem 80km entfernten
Lück. Dort bestiegen wir eine Schmalspurbahn und ließen uns
in 40 Minuten zu einem Dorf kutschieren wo liebe Leute uns mit einem Picknick
verwöhnten. Es gab u.a. das leckere Bigosch, ein geschmortes Weißkohlgericht
mit Gehaktem! Ein Lagerfeuer war auch vorhanden und die Krakauer
Wurst wurde an einem Stecken über dem Feuer gegrillt, anschließend
gab es noch Kaffee und Kuchen. Begleitet wurden wir auf der Bahnfahrt und
auch während des Picknicks von einem unermüdlichen Akkordeonspieler.
Auf der Rückfahrt gab es Probleme mit der Diesellok!
Der Lokführer hielt an einem See und holte Kühlwasser.
Wasser gibt es in dieser Gegend ja genug. Bergab wurde der Motor abgestellt,
eine kochendheiße Fontäne Wassers spritzte aus der Maschine.
Er telefonierte wie wild – aber davon wurde der Motor auch nicht repariert.
Aber er hat uns doch noch bis zum Bahnhof gefahren. Das war eine lustige
und erlebnisreiche Tour.
Freitags war ab Nicoleiken wieder eine zweistündige
Seefahrt angesagt. Nach Durchfahren einer Schleuse kamen wir in ein Dorf
wo ein großer Markt war. Ich kaufte zwei Gläser Honig der von
Buchweizen stammt. Dies ist ein bitterer Honig, ähnlich dem Korsischen
Honig, der von den Maronenblüten kommt. Angeboten wurde schönes
„Bunzlauer Porzellan. Im Restaurant wurden wir von einer bildhübschen
jungen Dame bedient, die freundlich plaudernd schnell viele Gäste
bediente. Da schmeckt das Essen noch einmal so gut (Pfannkuchen eine
Art Crepe, mit echten Waldbeeren – köstlich!).
Heute ist eigentlich Peters Ruhetag! Aber er opfert ihn
um uns einen weiteren Ausflug anzubieten. Er fuhr uns in eine Stadt, in
der ein großer Markt stattfinden sollte – nur der schloss um 13 Uhr.
Eine dunkle Wolkenwand kam auf, wir erreichten den Bus und der Himmel schüttete
Wassermassen aus, dass es einem grauste. Ich treffe zwei Berliner Edurofahrer.
Sie sind mit der Fähre bis Kleipeda geschiffert und befinden sich
mit ihren 650er Susis auf der Rückfahrt.
Am Samstag war Kofferverladung und um 8 Uhr ging es Richtung
Thorn. Es regnete bei der Stadtführung. Wir besichtigten u.a.
die größte polnische Kirche mit 27m Deckenhöhe, die Marienkirche.
Thorn ist eine vom Krieg nicht berührte uralte Stadt mit Hunderten
historischen Gebäuden. Dort wären wir gerne mal stundenlang bummeln
gegangen.
Um 18 Uhr kommen wir in Posen an und übernachten
im Novohotel (sechzehn Etagen). Das Foyer und der Speisesaal sind hohe
Hallen. Das Personal ist freundlich und spricht deutsch. Abendessen und
Zimmer wie gehabt –gut!
Sonntags war um 8,20 Uhr Abfahrt.
Der Himmel ist grau und es regnet bei 13°, aber um
9 Uhr erscheint Frau Sonne!
Es geht über Land und an den Straßen werden
Windmühlen, riesige Gartenzwerge, Spargel, Honig und sonstige landestypische
Waren angeboten. Aber Peter bleibt hart. Erhält nicht trotz
vieler „Ohs“ und „Ahs“. Er sagt, dass wir eine Fata Morgana hätten
und spendiert weitere Runden Gesundheitswasser mit nachgereichten Bonbons.
An einer Linkskurve fahren wir nach vorherigem Stau an
einem bösen Unfall vorbei. Die beteiligten Fahrzeuge brauchen nicht
verladen werden, die kann man wegfegen. Überhaupt die Fahrweise der
Polen erinnert mich an das Fahren der Leute in der ehemaligen DDR um 1991.
Da wird geheizt als ob sie bei Aldi noch ein Reserveleben günstig
erwerben könnten. Von da an fuhren wir hinter einem russischen Bus
her, der auch in Frankfurt (Oder) vor uns von polnischen Zoll abgefertigt
wurde – aber wie! Man konnte die ehemalige sozialistische Völkerfreundschaft
zu den Russen filmen. Eine Stunde wurden die armen Leute gefilzt! Dazu
gab es keine Veranlassung. Polen gehört zur EU und die Einreise des
Busses hat schon an der Russisch – Polnischen Grenze stattgefunden. Was
sollte dieses Theater? Wir standen hinter diesen ehemaligen sozialistischen
Blutsbrüdern und mussten ebenfalls ungewollt – warten! Die Kontrolle
unseres Busses dauerte keine fünf Minuten!
Um 13.40 Uhr gab es die Mittagsrast. Es wurde Linsensuppe
mit Würstchen serviert – lecker! Danach ging es mit Stopp und Go bis
hinter Hannover, während eines kurzen Stopps wurde der neue Fahrer
aufgeladen, ein netter Kerl, der uns durch Stau und weiteren Staus sicher
um 23.30 Uhr in Baerl anlandete. Das war eine schöne und anstrengende
Tour.
Der Bus muss auch noch lobend erwähnt werde: er
hatte 490PS, 10 Zylinder bei 12.000cm³ und einen 520l Tank. Er hat
uns problemlos über 3650km geführt. Das ist bemerkenswert und
ich würde mich ihm und seinem Fahrer Peter mit dem technischen Berater
Dieter jeder Zeit gerne wieder anvertrauen.
Wolfgang Küppers